• Verbot neuer Offener Immobilienfonds betrifft auch Altersvorsorge von Kleinanlegern
• Größeren Wohnungsprojekten droht durch AIFM-Richtlinie das Aus
Berlin, 24. August 2012 – Das Finanzministerium will künftig neue Offene Immobilienfonds verbieten, daran hat auch die Anhörung zum AIFM-Umsetzungsgesetz diese Woche nichts geändert. „Das dürfte Auswirkungen für das Anlageverhalten von Kleinanlegern und deren Altersvorsorge nach sich ziehen. Aber auch kapitalintensive Vorhaben der Immobilienbranche werden damit deutlich erschwert, so nutzen zum Beispiel Versicherungen Offene Immobilienfonds gern als Anlagemöglichkeit“, betont Walter Rasch, Präsident des Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).
„Wie auch schon bei früheren Finanzmarktregulierungsvorhaben finden auch diesmal die mittelbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft nicht die notwendige Beachtung“, kritisiert Rasch die Richtlinie. Die indirekte Immobilienanlage mithilfe Offener Immobilienfonds ist ein fester Bestandteil der Anlagestrategie vieler institutioneller Anleger. Wird der Zugang zu dieser Anlageform nun verbaut, hat dies auch Einfluss auf die private Altersvorsorge. Denn gerade in Zeiten eines historisch niedrigen Zinsniveaus für Staatsanleihen können Immobilienanlagen die Erträge steigern und so für nachhaltige Renditen sorgen.
Hinzu kommt, dass gerade institutionelle Anleger über Offene Immobilienfonds Eigenkapital generieren, um so größere Investitionen in Immobilienprojekte tätigen zu können. Rasch warnt: „In Verbindung mit Basel III können sich somit Probleme bei der Finanzierung von solchen Vorhaben ergeben, was sich dann wiederrum auch bei den Wohnungsbauzahlen und Sanierungsvorhaben niederschlagen könnte.“ Auf der einen Seite soll die Eigenkapitalquote unter Basel III weiter erhöht werden, auf der anderen Seite wird die Eigenkapitalbeschaffung durch die AIFM-Richtlinie beschränkt. „Die Verknappung von Eigen- und Fremdkapital führt zu weiteren Investitionshemmnissen, die der Umsetzung der energiepolitischen Zielen der Bundesregierung entgegen steht“, so Rasch weiter. Darüber hinaus entsteht eine Eigenkapitallücke für Anschlusskredite. Henderson Global Investors geht davon aus, dass in Europa allein bis 2014 Immobilienkredite in Höhe von mehr als 450 Milliarden Euro auslaufen werden.
Nach dem Willen von Finanzminister Wolfgang Schäuble sollen künftig nur noch solche Offenen Immobilienfonds erhalten bleiben, die die Finanzkrise überstanden hätten. Anleger könnten dann nur noch in geschlossene Fonds in Form einer AG oder KG investieren.